Fragen & Antworten
42 Fragen, die in den seltensten Reiseführern stehen.
Von der ersten Reise bis zur ehrlichen Bilanz nach einem Jahr Auswanderung – jeweils mit der direkten Antwort.
Aus dem Reiseführer
Vor und während der Reise
Warum verliere ich Geld am Geldautomaten, ohne es zu merken?
Der Automat fragt euch beim Abheben, ob er die Umrechnung selbst übernehmen soll. Wählt ihr „with conversion", zahlt ihr fünf bis acht Prozent drauf, ohne es zu merken – bei dreihundert Euro ist das ein komplettes Abendessen am Bosporus. Die richtige Antwort lautet immer „without conversion", dann gilt der Kurs eurer Hausbank, und der ist fast immer günstiger.
Warum zahle ich in der Marmaray manchmal mehr, als die Fahrt eigentlich kostet?
Bei der Marmaray und der Metrolinie M11 bucht das System beim Einsteigen zunächst den höheren Maximaltarif ab, obwohl eure Fahrt oft günstiger ist. Die Differenz holt ihr euch am Zielbahnhof an der İade Makinesi zurück, indem ihr die Karte dort noch einmal hinhaltet. Wer das nicht weiß, zahlt jedes Mal den vollen Satz, ohne es zu ahnen.
Warum will kein Taxi mich zum Çamlıca-Turm fahren?
Der Turm steht isoliert auf der asiatischen Seite, und für einen Fahrer von der europäischen Seite bedeutet die Fahrt den teuren Avrasya-Tunnel samt Maut und danach eine leere Rückfahrt, weil kaum jemand oben auf eine Fahrt zurück wartet. Für ihn ist das ein Verlustgeschäft, deshalb lehnt er ab, und das hat nichts mit euch zu tun. Der zuverlässige Weg führt über die Marmaray bis Üsküdar, von dort schalten die Taxis das Taxameter ohne Murren ein.
Gibt es einen Trick, mit dem ich im Basar bessere Preise bekomme?
Zwei kleine Gewohnheiten verändern spürbar, was Händler euch als ersten Preis nennen. Teilt euer Bargeld auf, den kleineren Teil griffbereit, den größeren versteckt, denn wer beim Bezahlen nur ein kleines Bündel zieht, wirkt weniger zahlungskräftig. Und so ungewöhnlich es klingt: Eine Sonnenbrille verändert die Dynamik, weil Händler an den Augen ablesen, wie sehr jemand ein Stück wirklich will.
Zahle ich als Doppelstaatler wirklich denselben Eintritt wie jeder Tourist?
Nein. Türkische Staatsbürger zahlen an vielen Kassen deutlich weniger als ausländische Besucher, und wer die doppelte Staatsangehörigkeit besitzt, kann das nutzen. Der türkische Ausweis lohnt sich an manchen Häusern spürbar, an anderen nicht – welche das genau sind und wie ihr das vorab klärt, zeige ich im Buch.
Kann ich einen Hotelpreis noch drücken, nachdem ich schon per WhatsApp verhandelt habe?
Oft ja. Auch bei einem bereits vereinbarten Preis lohnt sich am Ende des Gesprächs noch eine gezielte Frage, die kaum ein Tourist stellt. Bei mir wurden aus fünfundsechzig Euro so schon fünfundfünfzig – bei mehreren Nächten ein Betrag, der sich lohnt.
Woran erkenne ich das echte Sultanahmet-Köftecisi?
Gleich in der Nähe des Originals liegt ein zweiter Laden mit fast identischem Namen, und Touristen verwechseln beide ständig. Meine Empfehlung gilt ausdrücklich dem Tarihi, dem Original von 1920 – die genaue Adresse und den Weg dorthin findet ihr im Buch, damit ihr nicht am falschen Tisch landet.
Lohnt sich der Museum Pass Istanbul für die Hagia Sophia?
Nein, und das wissen die wenigsten. Der staatliche Museum Pass gilt für einen ganzen Kranz staatlicher Museen, aber weder für die Hagia Sophia noch für die Versunkene Zisterne. Ob sich der Pass für euch überhaupt lohnt, hängt davon ab, wie viele der eingeschlossenen Häuser ihr wirklich anlaufen wollt – im Buch zeige ich, ab wie vielen Stationen sich das rechnet.
Kann ich in Istanbul spontan Kleidung ändern oder Schmuck reparieren lassen?
Ja, und zwar günstiger und schneller, als die meisten erwarten. Wir bringen unseren Schmuck seit Jahren zu einem winzigen Juwelier, der die Stücke noch am selben Abend fertig hat, und auch Änderungen an Kleidung sind oft binnen eines Tages erledigt. Welche Adressen sich dafür wirklich bewährt haben, steht im Buch.
Darf ich als Nicht-Muslim die Toilette in einer Moschee benutzen?
Ja, das dürfen alle, nicht nur Gläubige – eine Sache, die die wenigsten wissen, aber im Alltag eine echte Erleichterung sein kann. Sie liegen meist im Untergeschoss oder seitlich vom Haupteingang, ausgeschildert mit Tuvalet oder WC.
Gibt es eine ruhigere Alternative zur überlaufenen Yerebatan-Zisterne?
Ja. Ein paar Minuten entfernt liegt die deutlich kleinere Şerefiye-Zisterne, die kaum ein Tourist kennt, obwohl sie genauso alt ist. Sie spielt einen ganz eigenen Trumpf aus – eine Lichtprojektion, die die berühmtere Nachbarin gar nicht bietet.
Kann ich freitags jederzeit in die Blaue Moschee oder die Hagia Sophia?
Nicht ganz. Die Türen bleiben geöffnet, aber rund um die Mittagszeit, je nach Jahreszeit zwischen etwa halb zwölf und halb zwei, ruht wegen des Freitagsgebets das Sightseeing – Besucher warten dann einfach draußen oder kommen etwas später wieder. Die genauen Zeiten variieren leicht übers Jahr, dazu mehr im Buch.
Istanbul-Wissen
Aus den Artikeln
Kann man eine Istanbulkart zu mehreren nutzen?
Ja, eine Istanbulkart lässt sich technisch problemlos für bis zu fünf Personen nutzen, die die Karte einfach nacheinander an das Drehkreuz halten. Eine wichtige Ausnahme gibt es aber bei der Rückerstattung auf den Linien M11 und Marmaray – dort bekommt eine gemeinsam genutzte Karte die Differenz nur einmal zurück, nicht einmal pro Person. Ganzen Artikel lesen →
Wie viele Personen können eine Istanbulkart nutzen?
Bis zu fünf Personen, die die Karte nacheinander an den Sensor am Drehkreuz halten. Die Karte bucht für jede Person einzeln ab, einen Ausweis braucht niemand.
Wo bekomme ich die Istanbulkart?
An den gelben Biletmatik-Automaten an jeder größeren Haltestelle oder an Kiosken mit der Aufschrift „Istanbulkart“ bzw. „Dolum Noktası“. Am Automaten wählt ihr „Kart Al“, danach ladet ihr über „Yükle“ Guthaben auf.
Verfällt die Istanbulkart nach der Reise?
Nein. Wer die Karte behält, kann sie beim nächsten Besuch einfach wieder benutzen.
Was ist ein Plumpsklo und warum heißt das Buch danach?
Ein Plumpsklo ist eine Toilette ohne Sitz, nur mit einem Loch im Boden und zwei Trittflächen. In der Türkei ist es weit verbreitet – an Flughäfen, in Malls, Restaurants und Moscheen. Der Buchtitel „Plumpsklo? Nein, danke!“ spielt mit der ersten Ablehnung vieler Reisender und damit, dass die Hockposition anatomisch die natürlichere ist. Ganzen Artikel lesen →
Darf ich als Nicht-Muslim die Toilette in einer Moschee benutzen?
Ja, das dürfen alle, nicht nur Gläubige. Die Toiletten liegen meist im Untergeschoss oder seitlich vom Haupteingang und sind mit „Tuvalet“ oder „WC“ ausgeschildert.
Was sollte ich für Plumpsklos einpacken?
Ein kleines Notfall-Set – etwas Toilettenpapier, Desinfektionstücher und ein wenig Kleingeld.
Warum ist der Wechselkurs am Flughafen in Istanbul so schlecht?
Weil Flughafen-Wechselstuben genau wissen, dass frisch gelandete Reisende selten vergleichen und oft dringend Bargeld brauchen – das ist Kalkül, kein Zufall. In der Stadt selbst oder am Geldautomaten mit der Einstellung „without conversion“ liegt der Kurs oft fünf bis acht Prozent besser. Ganzen Artikel lesen →
Soll ich am Geldautomaten „with conversion“ oder „without conversion“ wählen?
Immer „without conversion“. Dann legt eure eigene Bank den Kurs fest. Bei „with conversion“ bestimmt der Automatenbetreiber den Kurs und schlägt sich einen Aufschlag drauf, der schnell fünf bis acht Prozent ausmacht.
Wo wechselt man in Istanbul am besten Geld?
In Wechselstuben abseits der Touristenpfade statt direkt an großen Plätzen oder Sehenswürdigkeiten. Ein kurzer Vergleich zwischen zwei, drei Stuben in derselben Straße lohnt sich fast immer.
Aus dem Auswanderungsguide
Auswandern nach Istanbul
Warum wird die Aufenthaltserlaubnis so oft abgelehnt, obwohl alles korrekt aussah?
Zwei Dinge entscheiden meist über Erfolg oder Ablehnung: ob die finanzielle Grundlage wirklich tragfähig ist, und ob die gewählte Adresse für Ausländer überhaupt freigegeben ist. Genau daran scheitern die meisten unnötig – nicht am Antrag selbst.
Zahle ich auf mein deutsches Gehalt weiterhin Steuern, wenn ich in Istanbul lebe?
Eine aktuelle Reform befreit nicht nur ruhendes Vermögen, sondern grundsätzlich alle Einkünfte mit ausländischer Quelle – also auch den Lohn vom deutschen Arbeitgeber oder Honorare. Die Schlagzeilen sprechen kaum darüber, dabei ist es für die meisten Auswandernden der entscheidende Punkt.
Brauche ich sofort eine türkische Krankenversicherung, um die Aufenthaltserlaubnis zu bekommen?
Ohne Nachweis einer gültigen Krankenversicherung bekommt ihr die Aufenthaltserlaubnis erst gar nicht. Deshalb beginnt es für die meisten mit einer privaten Police – ein System, das sich später oft noch ändern lässt.
Lohnt es sich, mein deutsches Auto mit in die Türkei zu nehmen?
Hohe Einfuhr- und Sonderverbrauchssteuern machen die dauerhafte Einfuhr eines eigenen Autos in aller Regel unwirtschaftlich. Nur wer seinen Wohnsitz nach einer bestimmten Mindestzeit im Ausland endgültig verlegt, kommt abgabenfrei davon.
Gilt mein deutsches Testament auch für mein Vermögen in der Türkei?
Die Türkei kennt eine gesetzliche Zwangserbfolge, die bestimmten Angehörigen einen Pflichtanteil sichert – unabhängig davon, was ein deutsches Testament vorsieht. Wer eine Immobilie in der Türkei besitzt, sollte das kennen, bevor es zum Erbfall kommt.
Kann ich mir meine deutsche gesetzliche Krankenversicherung „offenhalten“, falls ich später zurückkehren will?
Ja, über eine sogenannte Anwartschaft – aber nur, wenn ihr das rechtzeitig regelt. Die Kasse muss euren Beitritt zur Anwartschaft innerhalb von drei Monaten nach Ende eurer Mitgliedschaft erhalten. Wer diese Frist verpasst, dem fällt die Tür zur gesetzlichen Kasse bei einer späteren Rückkehr überraschend schwer wieder auf.
Muss ich als Doppelstaatler in der Türkei Wehrdienst leisten, wenn ich nach Istanbul ziehe?
Grundsätzlich ja, wenn ihr die türkische Staatsangehörigkeit habt (Mavi-Kart-Inhaber sind ausgenommen). Wer dauerhaft im Ausland lebt, kann sich aber bis zum 35. Lebensjahr freikaufen – über die sogenannte dövizle askerlik, eine Zahlung in Euro plus eine kurze Fernausbildung, statt des echten Wehrdienstes. Voraussetzung ist ein Auslandsaufenthalt von zusammen mindestens drei Jahren mit Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis.
Brauche ich einen Makler, um in Istanbul eine Wohnung zu finden oder zu kaufen?
Die meisten finden ihre Wohnung über einen emlakçı, einen Makler – und ein guter kennt den Markt, verhandelt für euch und begleitet bis zum Einzug. Doch nicht jede Beauftragung ist gleich klug.
Werde ich dort immer der Almancı bleiben – nie richtig dazugehören?
Ja, zumindest eine Weile. Einheimische grenzen euch als Almancı ab – mal mit warmer Neckerei, mal mit schärferem Unterton. Ehrlich betrachtet ist beides zugleich wahr: ein gewisses Gehäbe der Zugezogenen und echter Neid der Gebliebenen. Es ist ein raues Begrüßungsritual zwischen Menschen, die einander ähnlicher sind, als beiden lieb ist – und es lohnt sich, das vorher zu wissen, damit die erste spöttische Bemerkung euch nicht aus der Bahn wirft.
Werden sich meine Kinder integrieren können, wenn ihr Türkisch nicht gut ist?
Ein Kind, das Deutsch aufgewachsen ist und Türkisch nur vom Küchentisch kennt, sitzt in der staatlichen Schule plötzlich in einem Unterricht, der ihm in Tempo und Wortschatz davonläuft. Es braucht oft ein Jahr und einige Tränen, bis Anschluss gefunden ist – Nachhilfe und Geduld solltet ihr von Anfang an einplanen.
Was kann mir im schlimmsten Fall passieren, wenn etwas schiefgeht?
Ehrlich betrachtet: Eine Erkrankung oder ein finanzieller Engpass ohne Rücklage, die einen einzigen ungedeckten Notfall übersteht, und ohne einen Menschen vor Ort, der notfalls am Krankenbett neben euch säße – das ist kein Randrisiko, sondern die reale Kehrseite des Aufbruchs, die ihr vor der Entscheidung ehrlich prüfen solltet.
Aus „Die Schattenseiten“
Ein Jahr danach
Ist das Behördensystem wirklich so digital und schnell, wie es sich zuerst anfühlt?
Digital funktioniert e-Devlet tatsächlich gut. Die eigentliche Schwierigkeit liegt woanders: Du kennst dich am Anfang schlicht nicht aus. Für einen Vorgang braucht es plötzlich drei Unterlagen, und keine Behörde sagt dir das vorher – du findest es erst heraus, wenn du schon am Schalter stehst und wieder gehen musst.
Muss ich wirklich jemanden mitnehmen, wenn ich ins Krankenhaus gehe?
Für einen normalen Arztbesuch nein, den kannst du problemlos allein erledigen. Nur wenn du stationär bleiben musst, brauchst du zwingend eine Begleitperson, einen Refakatçı.
Warum dauert eine Fahrt quer durch Istanbul immer länger, als die Karte zeigt?
Weil man den Weg hier nicht in Entfernung misst, sondern in Bewegung. Eine Strecke, die auf der Karte wie eine halbe Stunde aussieht, wird ohne Unfall und ohne Sperrung zu anderthalb, einfach weil sich die Stadt zu dieser Tageszeit so bewegt. Ein Termin am anderen Ende der Stadt ist keine Verabredung mehr, sondern eine Reise, die man mit Reserve plant wie eine Fahrt über Land.
Wie fühlt es sich wirklich an, mit Eurogehalt in einem Land mit hoher Inflation zu leben?
Du merkst die Inflation an der Supermarktkasse, an überklebten Preisschildern, an Speisekarten, die neu gedruckt werden, bevor sich das Essen selbst ändert.
Werde ich fachlich ernst genommen, oder nur als „der mit dem Geld aus Deutschland“ gesehen?
Oft wird die Frage „Was machst du?“ gar nicht wirklich gehört. Du beschreibst deine Arbeit, und der andere nickt höflich und findet in genau diesem Nicken eine eigene Antwort: dass du der bist, der aus Deutschland kam, also einer mit Geld. Was du tatsächlich tust, tritt dahinter zurück – du wirst nicht nach deiner Arbeit gelesen, sondern nach deiner Herkunft.
Ist die Herzlichkeit der Verwandtschaft bedingungslos, oder verlangt sie etwas zurück?
Die Wärme ist echt – und zugleich eröffnet jede Geste, ungefragt, ein Konto: Brot an der Klinke, ein Besuch ohne Ankündigung, Stunden am Krankenbett eines Verwandten. Wer gibt, gehört dazu; wer zu oft Nein sagt, verliert nach und nach den Schutz, den dieses Geflecht bietet.
Wie schwer wird es für mein Kind wirklich, wenn sein Türkisch nur Küchentürkisch ist?
Schwerer, als die meisten erwarten. Ein Kind, das in Deutschland vorne saß und die Hand hob, wird hier zu einem der Langsamen, das die Hälfte versteht und die andere errät. Das Selbstvertrauen sinkt nicht auf einmal, sondern Woche um Woche – und du kannst wenig dagegen tun, weil das, was fehlt, die Sprache ist, und Sprache kommt nicht schnell.
Werde ich, nach allem, wirklich als einer von hier gesehen – oder bleibt man immer ein Stück Außenseiter?
Nicht ganz, jedenfalls nicht sofort. Man nennt dich Almancı – meist freundlich gemeint, aber mit leisem Spott: einer, der die dicke Hose macht, der sein Geld zeigt. Die Sprache ist die eigentliche Grenze: Dein Türkisch reicht für die Küche und die Familie, aber nicht für das Türkisch der Ämter und Verträge – und genau dort, an den entscheidenden Stellen, stehst du mit einem Wort zu wenig da.
Was passiert, wenn man merkt, dass das Geld für einen Neuanfang oder sogar für die Rückkehr nicht mehr reicht?
Es kann so weit kommen, dass selbst der Rückflug zum Problem wird. Was du in harter Währung mitgebracht hast, ist im Lauf des Jahres weich geworden, Stück für Stück. Es gibt Menschen, die so weit gekommen sind, dass sie den Rückflug nicht mehr selbst bezahlen konnten und einen Kredit bei der Botschaft aufnehmen mussten, um überhaupt heimzukommen.
Die Istanbul-Checkliste – kostenlos
Die 14 Punkte, die vor einer Istanbul-Reise gern untergehen: vom Pass über Powerbank und eSIM bis zum Lost-and-Found-Schalter. Als PDF zum Abhaken – dazu gelegentlich Insider-Tipps und Bescheid, wenn der Reiseführer erscheint.