01.11.2026 Der Reiseführer erscheint in 7 Tagen. Erinnere mich →

Band 3 der Plumpsklo-Serie · erscheint demnächst

Die Schattenseiten einer AuswanderungDie ehrliche Bilanz nach einem Jahr Istanbul

Die kleinen Momente, an denen sich zeigt, in welche Richtung ein Jahr tatsächlich kippt.

Buchcover „Die Schattenseiten einer Auswanderung“ – Band 3 der Plumpsklo-Serie
Illustration: Familie mit Gepäck am Bahnhof, Zug nach Istanbul

Und dann?

Ein Jahr bist du jetzt hier. Die erste Zeit ist vorbei, der Alltag hat übernommen, und langsam zeigt sich, ob das Leben, das du dir vorgestellt hast, auch unter normalen Bedingungen trägt.

Vielleicht stellst du fest, dass dein Geld schneller weniger wird, als du gerechnet hast. Vielleicht findest du beruflich keinen Platz und merkst erst jetzt, wie viel Sicherheit Deutschland dir gegeben hat. Vielleicht läuft für dich alles gut, während dein Partner oder eines deiner Kinder zunehmend unglücklich wird. Und vielleicht gibt es keinen einzelnen Grund, den du benennen könntest, sondern nur diese unbequeme Erkenntnis, dass Urlaub und ein Leben an einem Ort eben doch zwei verschiedene Dinge sind.

Genau hier beginnt für manche der schwierigste Teil der Auswanderung. Nicht dann, wenn etwas schiefläuft, sondern wenn die Frage plötzlich nicht mehr lautet, ob du dich erst noch einleben musst, sondern ob dieses Leben auf Dauer überhaupt das richtige für dich und deine Familie ist.

Denn zurück will zu diesem Zeitpunkt kaum jemand sofort. Dafür war die Entscheidung zu groß, der Abschied zu endgültig und die Hoffnung zu stark. Also versucht man es weiter. Noch ein paar Monate. Vielleicht wird es besser. Vielleicht braucht es einfach Zeit.

Manchmal stimmt das. Und manchmal beginnt genau hier die Rückkehr.

Dieses Buch sammelt genau diese Übergänge – die kleinen Momente, an denen sich zeigt, in welche Richtung ein Jahr tatsächlich kippt, gesammelt aus eigener Erfahrung, aus dem, was Familie und Freunde erzählt haben, aus dem, was sich online immer wieder bestätigt.

Fragen & Antworten

Ein erster Eindruck, was darin steckt

Alles Weitere – die vollständige Bilanz, alle Kapitel – steht im Buch.

Ist das Behördensystem wirklich so digital und schnell, wie es sich zuerst anfühlt?

Digital funktioniert e-Devlet tatsächlich gut. Die eigentliche Schwierigkeit liegt woanders: Du kennst dich am Anfang schlicht nicht aus. Für einen Vorgang braucht es plötzlich drei Unterlagen, und keine Behörde sagt dir das vorher – du findest es erst heraus, wenn du schon am Schalter stehst und wieder gehen musst.

Muss ich wirklich jemanden mitnehmen, wenn ich ins Krankenhaus gehe?

Für einen normalen Arztbesuch nein, den kannst du problemlos allein erledigen. Nur wenn du stationär bleiben musst, brauchst du zwingend eine Begleitperson, einen Refakatçı.

Warum dauert eine Fahrt quer durch Istanbul immer länger, als die Karte zeigt?

Weil man den Weg hier nicht in Entfernung misst, sondern in Bewegung. Eine Strecke, die auf der Karte wie eine halbe Stunde aussieht, wird ohne Unfall und ohne Sperrung zu anderthalb, einfach weil sich die Stadt zu dieser Tageszeit so bewegt. Ein Termin am anderen Ende der Stadt ist keine Verabredung mehr, sondern eine Reise, die man mit Reserve plant wie eine Fahrt über Land.

Wie fühlt es sich wirklich an, mit Eurogehalt in einem Land mit hoher Inflation zu leben?

Du merkst die Inflation an der Supermarktkasse, an überklebten Preisschildern, an Speisekarten, die neu gedruckt werden, bevor sich das Essen selbst ändert.

Werde ich fachlich ernst genommen, oder nur als „der mit dem Geld aus Deutschland“ gesehen?

Oft wird die Frage „Was machst du?“ gar nicht wirklich gehört. Du beschreibst deine Arbeit, und der andere nickt höflich und findet in genau diesem Nicken eine eigene Antwort: dass du der bist, der aus Deutschland kam, also einer mit Geld. Was du tatsächlich tust, tritt dahinter zurück – du wirst nicht nach deiner Arbeit gelesen, sondern nach deiner Herkunft.

Ist die Herzlichkeit der Verwandtschaft bedingungslos, oder verlangt sie etwas zurück?

Die Wärme ist echt – und zugleich eröffnet jede Geste, ungefragt, ein Konto: Brot an der Klinke, ein Besuch ohne Ankündigung, Stunden am Krankenbett eines Verwandten. Wer gibt, gehört dazu; wer zu oft Nein sagt, verliert nach und nach den Schutz, den dieses Geflecht bietet.

Wie schwer wird es für mein Kind wirklich, wenn sein Türkisch nur Küchentürkisch ist?

Schwerer, als die meisten erwarten. Ein Kind, das in Deutschland vorne saß und die Hand hob, wird hier zu einem der Langsamen, das die Hälfte versteht und die andere errät. Das Selbstvertrauen sinkt nicht auf einmal, sondern Woche um Woche – und du kannst wenig dagegen tun, weil das, was fehlt, die Sprache ist, und Sprache kommt nicht schnell.

Werde ich, nach allem, wirklich als einer von hier gesehen – oder bleibt man immer ein Stück Außenseiter?

Nicht ganz, jedenfalls nicht sofort. Man nennt dich Almancı – meist freundlich gemeint, aber mit leisem Spott: einer, der die dicke Hose macht, der sein Geld zeigt. Die Sprache ist die eigentliche Grenze: Dein Türkisch reicht für die Küche und die Familie, aber nicht für das Türkisch der Ämter und Verträge – und genau dort, an den entscheidenden Stellen, stehst du mit einem Wort zu wenig da.

Was passiert, wenn man merkt, dass das Geld für einen Neuanfang oder sogar für die Rückkehr nicht mehr reicht?

Es kann so weit kommen, dass selbst der Rückflug zum Problem wird. Was du in harter Währung mitgebracht hast, ist im Lauf des Jahres weich geworden, Stück für Stück. Es gibt Menschen, die so weit gekommen sind, dass sie den Rückflug nicht mehr selbst bezahlen konnten und einen Kredit bei der Botschaft aufnehmen mussten, um überhaupt heimzukommen.

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Buchcover „Der Auswanderungsguide Istanbul“ – Band 2 der Plumpsklo-Serie
Bevor ihr geht? Der Auswanderungsguide Istanbul Band 2 der Plumpsklo-Serie